Central and Eastern European Banking Study (CEEBS) 2011: Krise erfordert konsequentere Ausrichtung der Banken in Zentral- und Osteuropa
23.01.2012
Märkte in Zentral- und Osteuropa verlieren teilweise deutlich an Wachstumsdynamik / Risikofaktoren mit verstärktem Einfluss auf Wertschöpfung / Universalbanken im Vorteil
Münster/Paris, 23. Januar 2012 – Die Bankenmärkte in Zentral- und Osteuropa (Central and Eastern Europe/CEE) wurden durch die Krise schwer getroffen und haben ihre hohe Wachstumsdynamik in Teilen verloren. Dennoch bietet die Region nach wie vor interessante Potenziale für Banken und Finanzdienstleister, da sich die einzelnen nationalen Märkte in den vergangenen Jahren stark unterschiedlich entwickelt haben. Während sich Länder wie Polen, Russland oder die Türkei in der Krise bisher vergleichsweise stabil gezeigt haben, stehen andere nationale Bankenmärkte deutlich unter Druck. Hier sind hohe Kreditausfälle, der Umgang mit beträchtlichen ausstehenden Fremdwährungskrediten und eine sehr schlechte gesamtökonomische Entwicklung die drängendsten Probleme.
In einigen Ländern haben sich dadurch die Erfolgsaussichten für lokale Finanzinstitute und internationale Bankkonzerne deutlich verschlechtert. In einer relativ guten Position befinden sich dagegen die nationalen Marktführer, d. h. große Universalbanken mit hohen, stabilen Kunden-einlagen sowie einer soliden Kapitalausstattung. Vor diesem Hintergrund wird der Erfolg in der Region Zentral- und Osteuropa in der Regel von drei Schlüsselfaktoren bestimmt: der Rentabilität, der Marktposition und, gerade seit Beginn der Krise in immer stärkerem Maße, von dem Risiko und der Kapitalausstattung. Eine konsequente Orientierung an diesen Faktoren wird immer mehr zur zentralen Voraussetzung für nachhaltige Wertgenerierung von Banken – das Management ist in vielen Fällen jedoch noch nicht konsequent auf die Steuerung dieser Kerngrößen ausgerichtet.
Dies sind die wesentlichen Ergebnisse der neu veröffentlichten Central and Eastern European Banking Study (CEEBS) 2011 von zeb/rolfes.schierenbeck.associates und der European Financial Management & Marketing Association (Efma). Die Studie wird seit 2006 in regelmäßigen Abständen erstellt und inzwischen zum sechsten Mal vorgestellt. Analysiert wurden Daten der 50 größten börsennotierten Banken sowie weiteren ca. 2.000 nicht-börsennotierten Kreditinstituten aus 25 Ländern Zentral- und Osteuropas. Zusätzlich wurden zahlreiche Vertreter aus dem Topmanagement von lokalen Banken und internationalen Bankengruppen im Rahmen von ausführlichen Experteninterviews detailliert nach ihrer Einschätzung der Bankenmärkte in Zentral- und Osteuropa befragt.
Die Finanzkrise führte zu einer Neuordnung der weltweiten Wachstumsregionen: Verzeichneten die zentral- und osteuropäischen Bankenmärkte vor der Krise noch die höchsten Wertsteigerungen für Institute und Investoren weltweit, bieten heute andere Wachstumsregionen wie Südamerika und die asiatischen Schwellenländer bessere Chancen. Während Banken in CEE zwischen 2003 und 2007 noch einen Wertzuwachs (Total Shareholder Return) von rund 56 % p. a. erzielen konnten, verlieren die Institute seit Beginn der Krise aus Investorensicht durchschnittlich ca. 8 % p. a. (2008-2010) an Wert. Südamerikanische Banken erreichten in den Jahren vor der Krise (2003-2007) mit einem Wertzuwachs von 52 % p. a. nahezu die Wachstumsraten von Banken in CEE, konnten ihren Wert dagegen aber auch in der Krise um ca. 13 % p. a. weiter steigern.
Es zeigt sich, dass Zentral- und Osteuropa in Teilen gerade in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität verloren hat und zu einer Region der unterschiedlichen Geschwindigkeiten geworden ist. Während die Bankenmärkte in Polen, Russland oder in der Türkei die Krise bisher vergleichsweise unbeschadet überstanden haben, haben andere Länder wie z. B. die baltischen Staaten, Kasachstan oder Weißrussland ihre frühere Wachstumsdynamik in großen Teilen eingebüßt. Weitere Probleme in vielen Märkten sind der hohe Anteil an ausgefallenen, notleidenden Krediten, die oftmals nur geringe Kapitalausstattung vieler Banken sowie die in vielen Fällen sprunghaft gestiegenen Refinanzierungskosten. Diese einzelnen nationalen Unterschiede und Probleme zu erkennen und entsprechend in Strategie und Steuerung umzusetzen, ist gerade für internationale Bankengruppen wesentlich, wollen diese in der Region durch Beteiligungen und Tochtergesellschaften präsent und dauerhaft erfolgreich sein.
„Die Dynamik im Banking in Zentral- und Osteuropa hat durch die Krise erheblich gelitten. Manche Märkte haben dadurch deutlich an Attraktivität verloren. Für internationale Bankengruppen bedeutet dies, dass die Auswahl der Märkte und die konsequente Steuerung der Aktivitäten in CEE immer wichtiger werden“, so Patrick Desmarès, Generalsekretär der Efma.
Dr. Andreas Rinker, Geschäftsführender Partner bei zeb/, stellt fest: „CEE ist auch nach dem Ende der Boomphase ein spannender Markt. Voraussetzungen für nachhaltige Wertsteigerungen sind hohe Profitabilität und gute Marktpositionierung gepaart mit überdurchschnittlichem Wachstum. Zudem zeigt sich, dass Institute mit niedrigem Risiko und guter Kapitalausstattung deutlich bessere Wertentwicklungen an den Börsen erzielen konnten. Ein ausgeglichenes Verhältnis von stabilen Kundeneinlagen und Krediten sowie eine gute Ausstattung mit Eigenkapital sind hier wesentliche Faktoren.“
Die Studie zeigt, dass sich gerade große Universalbanken in der aktuellen Marktsituation in Zentral- und Osteuropa in einer sehr guten Position befinden. Sie profitieren von günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten durch stabile Kundeneinlagen und einer entsprechenden Stabilität durch ihre Marktgröße. Anbieter, die sich auf ein besonderes Segment spezialisiert haben, sind dagegen durch ihre Fokussierung in besonderem Maße durch die gegenwärtigen Risiken betroffen. Diese Spezialinstitute können derzeit nur erfolgreich sein, wenn sie ihr Geschäftsmodell fortlaufend optimieren und sich dadurch Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Diese Entwicklungen werden sich auch in der Zukunft fortsetzen. „Insbesondere die Themen Refinanzierung und Kapitalausstattung werden in den kommenden Jahren bestimmend für den Markt in Zentral- und Osteuropa sein. Neben der Kapitalisierung selbst wird die Fokussierung auf das Kerngeschäft und die Reduzierung von Aktivitäten in Nicht-Kernbereichen entscheidend für die weitere Entwicklung sein. Andere Themenfelder für Banken sind kontinuierliche Effizienz-steigerung und der operative Umgang mit Kreditausfällen“, sagt Helge Böschenbröker, Senior Manager bei zeb/.
Für Banken haben die Ergebnisse der Studie besondere Konsequenzen. Nur Institute, denen es gelingt, Strategie und operative Prozesse entsprechend aneinander auszurichten und im Rahmen einer konsequenten Wertorientierung in ihrer Steuerung zu implementieren, werden langfristig in Zentral- und Osteuropa erfolgreich sein. Dabei zeigt ein genauerer Blick auf den Markt, dass es in vielen Kreditinstituten noch Verbesserungspotenziale gibt. „Viele Banken in Zentral- und Ost-europa haben das Thema Wertorientierung noch nicht ausreichend implementiert. Die lokalen Kreditinstitute, aber auch internationale Bankengruppen mit Beteiligungen und Tochterbanken in den Regionen, stehen gerade in diesem Bereich noch vor großen zukünftigen Herausforderungen“, fasst Böschenbröker zusammen.
Über zeb/
zeb/rolfes.schierenbeck.associates beschäftigt aktuell an 13 Standorten in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Polen, Tschechien, der Ukraine sowie Ungarn über 750 Mitarbeiter. Die Unternehmensgruppe zählt zu den führenden Beratungsgesellschaften für den Finanzdienstleistungssektor. Kunden sind nationale wie internationale Banken, Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken sowie Versicherungen.
Über Efma
Efma ist eine nicht-gewinnorientierte, 1971 von Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern gegründete Vereinigung. Heute sind mehr als 3.000 Banken und Marken aus 130 Ländern Mitglieder der Efma, darunter 80 % der größten europäischen Retail-Bankengruppen. Efma bietet der Finanzdienstleistungsindustrie einen exklusiven Zugang zu einer Vielzahl von Ressourcen, Datenbanken, Studien, Artikeln, Nachrichten und Publikationen. Efma stellt zudem zahlreiche Möglichkeiten des Networking über Arbeitsgruppen, Online Communities und internationale Konferenzen bereit.
Ansprechpartner:
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Leiterin Unternehmenskommunikation
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